Dienstag, 28. Juni 2016

Eine heilsame Geburt

Am Abend des 26.06.2016 hatte ich leichte Wehen und dachte schon, es würde los gehen. Dann brachte ich die kleine Eule ins Bett und der Spuk war vorbei. Den nächsten Tag über hatte ich leichte Regelschmerzen und einen wahnsinnigen Druck nach unten, fühlte mich generell seltsam und unsicher.

Am 28.06. wachte ich gegen 6 Uhr mit Wehen auf. Ich konnte nicht mehr schlafen und stand auf. Die Wehen waren regelmäßig, aber zunächst noch sehr leicht. Ich legte mich noch ein bisschen aufs Sofa und versuchte zu entspannen. Irgendwann stand ich wieder auf, ging duschen, und weckte den Eulenmann und das Eulenkind, die morgens mit der Oma ins Kinderturnen gehen durfte. Die Wehen blieben und wurden langsam stärker, ich konnte mich aber noch gut dabei unterhalten und mich um den Alltag kümmern. Der Abstand blieb bei etwa 10 Minuten. Ich glaubte nicht, dass es so schnell ernst werden würde und um 14:00 sollte ich sowieso einen Vorsorge-Termin im Geburtshaus haben. Dennoch trafen wir Vorbereitungen. Das Eulenkind wurde von den Großeltern versorgt und der Eulenmann sagte auf Arbeit Bescheid, dass er später (nach dem Vorsorgetermin) oder nicht kommen würde.

Nachdem die kleine Eule aus dem Haus war, richtete ich die letzten Dinge, und versuchte noch etwas auf dem Sofa zu dösen. Die Intensität der Wehen nahm weiterhin zu und langsam musste ich sie aktiv veratmen und mich richtig auf sie konzentrieren. Im Liegen fiel mir das schon schwer. Im Stehen oder Sitzen waren die Wehen häufiger und schmerzhafter. Am besten konnte ich sie im Vierfüßlerstand aushalten mit kreisenden Bewegungen des Beckens und tiefer Bauchatmung. Der Abstand der Wehen blieb bei 8-10 Minuten. Bei der kleinen Eule damals hatte ich sehr heftige Wehen im Minutentakt, die jedoch zunächst nichts am Muttermund bewirkten. Deswegen ging ich auch davon aus, dass es noch dauern würde.

Gegen 12:30 bat ich den Eulenmann, im Geburtshaus anzurufen. Er sollte die Hebamme fragen, ob wir den Vorsorgetermin wahrnehmen oder erst einmal abwarten sollten. Inzwischen war ich mir aber sicher, dass ich unter der Geburt war und die Wehen diesmal nicht weggehen würden. Ich hielt es jedoch nicht für ausgeschlossen, dass wir noch einmal nach Hause geschickt würden. Die Hebamme sagte, wir sollten uns ruhig gleich auf den Weg machen; wir müssten nicht zu Hause warten. Gesagt, getan. In aller Ruhe machten wir uns bereit und fuhren mit einem kurzen Halt beim Bäcker ins Geburtshaus.

Etwa eine Stunde nach dem Telefonat kamen wir an. Die Hebamme fragte, ob sie die eine Schwangere, die noch vor mir Vorsorgetermin hatte, wegschicken solle, aber ich versicherte ihr, dass das mit der Geburt noch dauern würde. Ein bisschen skeptisch schaute sie mich schon an, wie ich da im Vierfüßlerstand vor dem Sofa des Wartebereichs hing und meine Wehen veratmete. Aber ich war tatsächlich sehr entspannt. Die Abstände waren groß, die Wehen waren gut zu veratmen, zwischen den Wehen fühlte ich mich blendend - kein Grund zur Hektik. Da die Hebamme, die die Vorsorge machen sollte (M), eine andere war als die, die an dem Tag Rufbereitschaft für Geburten hatte (N), sollten wir diese aber doch schon einmal verständigen. Diese machte sich dann so langsam auf den Weg. Außerdem war noch eine Hebammenschülerin (R) da.
Eine weitere Frau hatte an dem Morgen ihr Kind bei M. im Geburtshaus geboren; die kleine Familie war noch im entsprechenden Zimmer, und es war noch nicht wieder vorbereitet. Sobald die andere Schwangere am CTG hing, fing M. an, die Neu-Familie zu scheuchen und das Zimmer herzurichten. Ich veratmete weiterhin gut gelaunt meine Wehen und verstand den ganzen Stress nicht.

Bald darauf war die kleine Familie verabschiedet und ich durfte ins Zimmer. M. schlug vor, dass ich in den Vierfüßlerstand aufs Bett solle. Dazu bekam ich noch einen Petzi-Ball, über den ich mich drüber hängen konnte. Gleichzeitig wollten sie allerdings CTG schreiben und das Gerät hielt nicht richtig, sodass R. das Kind zuerst nicht richtig fand, und dann diesen Kontaktdings vom CTG die ganze Zeit an meinen Bauch drücken musste, wobei das Signal dauernd verschwand. Nach 15-20 Minuten war mir das zu viel. So fühlte ich mich sehr unwohl und konnte mich nicht entspannen. Ich legte mich dann also doch noch einmal hin und es konnte ein vernünftiges CTG geschrieben werden.

Dann kam auch N. an und stimmte in die Hektik mit ein. Sie stellte ein paar Fragen und wuselte wieder davon. Ich sollte essen und trinken. Ich hatte zwar keinen Hunger, aber ich aß und trank. Irgendwann meinte sie "So, Mutter. Aufstehen. Geburt!" Dann fiel ihr ein, dass sie mich vielleicht noch untersuchen sollte. Zu meiner Verwunderung war der Muttermund da bereits 3cm auf. Sie schickte uns dann noch ein bisschen spazieren. Laufen war wahnsinnig unangenehm; ich hatte solch einen Druck nach unten, und die Wehen kamen deutlich häufiger. Sie selbst waren aber immer noch sehr gut zu veratmen. Wenn sie kamen, hing ich mich an oder über den Eulenmann - aufrecht war es zu unangenehm. Ich konzentrierte mich ganz aufs Atmen und Beckenkreisen. So ließ sich das Aushalten. Auf dem Weg scherzten wir sehr. Es war eine entspannte Atmosphäre draußen im leichten, angenehm kühlen Regen. Dann kamen jedoch 1-2 knackigere Wehen, und ich wollte lieber wieder hoch. Auch der Regen wurde stärker.

Gegen 15:00 waren wir wieder oben. Die Hebammen steckten mich eigentlich gleich in die Badewanne. Das wunderte mich. Ich fragte mich, was ich denn jetzt noch so lange in der Badewanne soll. Aber ich wehrte mich nicht. Ich bekam eine durchgeschnittene Netzhose als CTG-Gurt für später. Das Wasser war angenehm warm, ich hatte eine bequeme Position, während der Wehen bewegte ich mein Becken hin und her. Zwischen den Wehen unterhielten wir uns ausgelassen mit N. und R.. M. war im Büro. Die Wehen kamen weiterhin alle 8-10 Minuten und waren weiterhin gut zu veratmen. Irgendwann verließen N. und R. das Zimmer und mein Mann und ich verbrachten die Zeit in angenehmer Stille. Ich betrachtete das Bild an der gegenüberliegenden Wand und veratmete hin und wieder die Wehen. Dann reichte veratmen plötzlich nicht mehr und 4-5 Wehen lang musste ich vertönen. Eine Wehe davon war richtig lang - mit Vertönen aber immer noch gut auszuhalten. Nach der letzten Wehe bat ich den Eulenmann, die Hebammen zu holen. Ich hatte ein leichtes Druckbedürfnis und wollte die Frauen wieder an meiner Seite haben. Die kamen dann auch alle drei gut gelaunt ins Zimmer geströmt und freuten sich offensichtlich, dass es spannend werden würde. 17:03 war es da.

Das CTG wurde angeschlossen. Baby ging es gut. R. musste den Kontaktkopf wieder festhalten. Den Druck dadurch empfand ich als wahnsinnig unangenehm - v.a. während der Wehen. An alles danach erinnere ich mich nicht mehr klar. Ich war wie in Trance und handelte nur noch aus Instinkt. Ich bekam kaum mit, was die Frauen mir sagten. Kurz nachdem die Hebammen zurück waren, kam die nächste Wehe, die sehr lang und heftig war. Das Druckbedürfnis war plötzlich überwältigend. Ich durfte aber noch nicht. N. untersuchte mich während der Wehe. Der Muttermund war bei 9 cm. Sie dehnte ihn ein bisschen, was sehr schmerzhaft war, aber dann war er ganz auf. Die Fruchtblase war noch intakt. Ich versuchte, mit "papp-papp-papp" und "ich drücke nicht" mich vom Drücken abzuhalten, aber es war so schwer. Die Wehe war endlich vorbei, aber ich war immer noch etwas weggetreten. Die nächste Wehe ließ nicht lange auf sich warten. Ich sollte mich entspannen, mich öffnen. Nicht drücken. Endlich durfte ich. "Jaaaaaaaaa!" Der Kopf war halb geboren. Dann hieß es "Genug jetzt!", aber das Druckbedürfnis und der Druck des Kopfes blieben. Etwas verzweifelt schwankte ich in der nächsten Wehe zwischen Drücken und Papp-Papp-Papp, aber die Hebammen führten mich. Dann wurde es etwas hektisch; das bekam ich jedoch nur am Rande mit. Kurze Zeit verloren sie das Kind aus dem CTG, aber das Gerät hatte nur den Kontakt verloren. Das Fruchtwasser war grün und ich hatte beim letzten Pressen wohl Stuhl verloren. Es war mir alles egal. Die nächste, dritte, letzte Presswehe, kam und ich spürte, wie das Kind meinen Körper verließ. Um 17:23 lag unser Baby auf meiner Brust. Etwas bläulich, voller Käseschmiere, und wunderschön. Ich umarmte es. Ich begrüßte es. Ich himmelte es an. Nach einigen Momenten der Besinnung packte mich die Neugierde und ich schaute nach, welches Geschlecht unsere Überraschung hatte. Ein kleiner Sohnemann; wie schön! Die Plazenta kam mit nur einer weiteren Wehe. Trotz des rasanten Tempos habe ich keinerlei Geburtsverletzungen davon getragen.

Alles war gut. Endlich war er da. Die Hebammen lobten mich und beglückwünschten uns. Ich habe noch eine Weile gebraucht, richtig anzukommen. Der Papa durfte schon einmal mit seinem Sohn auf dem Bett kuscheln, wo ich kurze Zeit später zu ihnen stieß. Sofort wollte er an die Brust und war zufrieden. Zwei Stunden nach der Geburt holte uns die große Schwester (mit Hilfe von Oma und Opa) ab und wir fuhren - jetzt zu viert - nach Hause.

Nach der für mich traumatischen ersten Geburt, bei der wir nach einem zunächst unerkannten Blasenriss überraschend in die Klinik mussten, und es zu einer ungeplanten PDA mit Folgen kam, war diese Geburt wunderbar heilsam und Balsam für Seele und Selbstvertrauen. Ich bin dankbar und überglücklich.

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