Samstag, 22. Juni 2013

Holunderblütensirup

Der Holunder steht in voller Blüte  (naja, eigentlich ist diese schon fast wieder vorbei) und so ist es Zeit, ihn zu jagen! Denn aus den Blüten kann man leeeeeckeren Sirup machen, der z.B. eisgekühlt in Wasser im Sommer ein Genuss ist. Und so machen wir ihn immer:

Erst einmal jagen wir ca. 20 Dolden von mehreren Pflanzen.


Dann zubbeln wir die Blüten von den Stielen ab. Je weniger grüne Bestandteile dabei übrig bleiben (Ausnahme: die kleinen Knubbel, die an der Blüte dran sind), desto besser ist es, da diese Pflanzenteile am Ende einen bitteren Geschmack verursachen. Und den wollen wir beim Sirup nicht.


Als nächstes wird Zuckerwasser aufgestellt. 3 kg Zucker auf 2 Liter Wasser. Das wird langsam erhitzt und gut verrührt dabei, bis wir eine klare Flüssigkeit haben. Außerdem lösen wir 100g Zitronensäure in Wasser. Natürlich kann man auch Zitronensaft nehmen. Schließlich werden die beiden klaren Flüssigkeiten zusammengefügt. Die Holunderblüten werden nun in das Sirupgemisch gegeben. Wir stellen den Topf nun an einen kühlen Ort und lassen ihn 1-3 Tage stehen.


Nachdem die Ruhezeit um ist, hat der Sirup den Holunderblüten-Geschmack angenommen und die Farbe ist goldgelb. Je länger man ziehen lässt (und je mehr Blüten man verwendet), desto intensiver wird der Geschmack. Nun wird die Flüssigkeit durch ein Geschirrtuch abgesiebt, damit alle Pflanzenteile restlos von dem endgültigen Sirup getrennt werden. Das ergibt etwa 4 Liter.


Wir erhitzen den Sirup dann noch einmal und füllen ihn in vorher gut und heiß ausgespülte Glasflaschen. Wenn er kühl steht (z.B. im Keller), hält der Sirup bei uns mindestens ein Jahr lang - wenn er nicht vorher wegen seiner Leckerheit verbraucht wurde.


Viel Spaß beim Nachbrauen!

Montag, 17. Juni 2013

Mein Bauch und ich

Ich habe beschlossen, meinen Bauch zu lieben.

Kein Schämen und Verstecken mehr. Kein Baucheinziehen. Keine gebückte Haltung.

Mein Bauch ist ebenso Teil meiner selbst wie meine blonden Haare oder meine Stimme.

Mein Bauch spricht Bände. Er erzählt von all der Traurigkeit und Wut, von all dem Kummer, von all der Verzweiflung und Unsicherheit, von all den Enttäuschungen und Erfahrungen, von all der Leere in mir, von all den Narben meiner Seele.
Wer so viel Negatives in sich aufnimmt, braucht viel Platz.

Mein Bauch ist mein Schutzschild. Er schafft Abstand zwischen mir und der Welt. Distanz. Damit weniger an mich herankommen und mich verletzen kann.

Irgendwann werde ich ihn dafür aber nicht mehr brauchen. Dann habe ich einen anderen Weg gefunden, Negatives zu "verdauen". Dann wird der Kummer generell weniger Platz in meinem Leben einnehmen und brauchen. Dann wird mein Bauch wieder schrumpfen.

Doch ganz ohne Bauch möchte ich nie sein. Mein Bauch ist wundervoll! Er ist rund und weich, er kann wunderbar tanzen. Ich vertraue meinem Bauchgefühl. Und irgendwann wird mein Bauch ein kleines Wunder in Form eines neuen Menschen beherbergen.

Ich liebe meinen Bauch. Ich liebe meinen ganzen Körper, denn er ist das Haus meiner Seele.

Ich bin dankbar, dass es inzwischen Menschen in meinem Leben gibt, die mich so akzeptieren und lieben wie ich bin, die mich nicht ändern wollen, sondern bedingungslos hinter mir stehen, die MICH sehen und nicht nur die Hülle. Sie lieben mich und damit helfen sie mir, mich selbst zu lieben.

Begegnung

Ich steige aus dem Bus aus und ein freundlich lächelnder, älterer Herr bedeutet mir, die Kopfhörer aus den Ohren zu nehmen. Dann sagt er: "Du gefällst mir!" Ich bedanke mich gerührt. Daraufhin tätschelt er meinen Oberarm. Ich wünsche ihm einen schönen Tag, er mir ebenso, "doppelt!", und wir gehen unserer Wege.

Und das, wo ich gerade einen weiteren Blogeintrag schreibe, der in die Richtung Aussehen geht.

Es gibt keine Zufälle. Aber es gibt Engel - in Form von Menschen, die unsere Seele berühren und ihr helfen, zu heilen.

Dienstag, 11. Juni 2013

Music was my first drug

Heute hatte ich Vorspiel von meinem Gitarrenlehrer aus. Seine fortgeschrittenen Schüler haben gespielt. Ich habe so ewig nichts mehr auf Gitarre vorgespielt (außer dem Mann, meinen Schülern oder meinem Lehrer), dass ich sowas von aufgeregt war und während dem Stück so arg gezittert habe, dass ich kaum spielen konnte. Aber irgendwie ging es. Ich habe von Heitor Villa-Lobos "Choros No. 1" gespielt. Das klingt ungefähr so:


Und weil so viele Schüler abgesagt hatten, sodass zu wenig Programm da war, und es sich gestern gut angefühlt hat, hatte ich angeboten, auch ein Stück zu singen: John Dowland "If my complaints". Das klingt so:


Und weil auch die Schülerin abgesagt hat, die mit dem Ensemble "Hotel California" von den Eagles hätte singen sollen, hat mein Lehrer gefragt, ob ich da auch einspringen würde. Wir haben es daraufhin probiert und das hat erstaunlich gut geklappt. Heute beim Vorspiel selbst haben die beiden Stücke auch sehr gut geklappt.

Und danach habe ich so viele Komplimente bekommen, dass ich es selbst kaum fassen kann. Noch letzte Woche habe ich daran gezweifelt, ob ich jemals wieder singen kann. Und heute... sowas. Ich könnte gerade die Welt umarmen, heulen, und wie ein Flummi durch die Gegend dopsen - alles gleichzeitig! Ich bin gerade total "high" und muss jetzt erst mal wieder runter kommen, um überhaupt weiter an meinem Referat (für morgen... Orffs Carmina Burana) arbeiten zu können.

Hach. Die Welt ist gut. Hört ihr? Die Welt ist soooo guuuuut!

Montag, 10. Juni 2013

Wenn die Stimme versagt...

Im Januar war ich erkältet und mehrere Tage komplett heiser. Natürlich genau in der heißen Konzertphase. Diese und weitere Konzerte musste ich absagen. Doch auch als die Erkältung abgeklungen war, wurde ich nach kürzester Zeit wieder heiser, wenn ich redete oder sang. Ende Februar war es immer noch nicht viel besser und eine Freundin legte mir nahe, zum Arzt zu gehen. Gesagt, getan.

Ich befürchtete schon, dass der Arzt mir sagen würde, dass ich eine Kehlkopfentzündung hatte. Doch das war es nicht.

Nachdem ich drei Mal "hi" sagen musste, während der HNO-Arzt mir in den Mund schaute, stellte er seine Diagnose: Hyperfunktionelle Dysphonie. Die Stimmbänder schließen nicht richtig und deswegen tritt Heiserkeit ein bei Stimmbelastung. Ich hatte betont, dass ich Lehrerin und Sängerin bin, und wie wichtig die Stimme bei beidem ist. Ob das was mit der Heiserkeit im Januar zu tun hätte und was man da machen könnte, frug ich. "Da kann man nichts machen. Bei jedem fängt es halt mal an." Und darf ich singen? "Lieber nicht." Danke für das Gespräch.

Wer mich kennt, weiß, wie wichtig mir das Singen ist. Eine Freundin bezeichnete es letztens als mein "Ventil", was ich sehr treffend finde. Es gibt kaum etwas Wichtigeres in meinem Leben als die Musik.

Meine Welt zerstört, fuhr ich nach Hause. Am Abend lag ich in des Mannes Armen, weinte bitterlich und sprach, dass ich nicht mehr leben wolle, wenn ich nicht mehr singen könne. Besorgt tröstete mich der Mann und versprach, dass alles gut werden würde.

Als ich mich beruhigt hatte, fragte ich einige Bekannte nach Phonologen und Logopäden. Ich wollte mir eine zweite Meinung einholen und das Urteil nicht einfach hinnehmen. Alle machten mir Mut. Ich war dankbar und hatte doch so Angst.

Es dauerte eine Weile, bis Ende April, bis ich mich traute, zu einem weiteren HNO-Arzt zu gehen - der Arzt meiner Gesangslehrerin. Dort fühlte ich mich ernst genommen und versorgt. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd. Funktionelle Störung der Stimmbänder: sie schließen nicht richtig. Doch anders als der erste Arzt machte er mir Mut und zeigte sich zuversichtlich, dass das Problem mit Logopädie in den Griff zu bekommen sei und ich bald wieder singen könne.

Nun brauchte ich nur noch eine Überweisung zum Logopäden, da der nette Arzt mir leider keine geben konnte. Diese Odyssee auch geschafft, rief ich bei der Logopäden-Praxis meiner Wahl an, die mich auf die Warteliste setzte. "Wir melden uns auf jeden Fall bei Ihnen!" 5 Minuten später rief es noch einmal an: man hatte vergessen, meinen Namen zu notieren. Sie hatten sich also tatsächlich noch einmal gemeldet... dachte ich mir schmunzelnd.

Einen Monat lang hörte ich nichts mehr von ihnen. So langsam brannte es. Anstehende Auftritte, die ich so gerne mitmachen wollte. Nach einem Schubser seitens meiner besten Freundin, rief ich noch einmal in der Praxis an und frug nach. "Kommen Sie doch am Montag vorbei!" Da wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte; ein bisschen verappelt fühlte ich mich, dass es plötzlich so schnell ging. Doch letztlich fiel mir ein Stein vom Herzen.

Letzte Woche war dieser Montag. Als ich vom ersten Arzt erzählte, schüttelte sie nur den Kopf. "Die meisten Menschen haben keinen Stimmschluss. Vor allem bei dieser Untersuchung, weil sie unangenehm ist und man sich dabei gar nicht entspannen kann." Nach einer umfassenden Anamnese machten wir ein paar Übungen. "Halb so wild! Das kriegen wir hin!" Darf ich wieder singen?" Ja, entspanntes Singen ist gar kein Problem!" Darf ich die anstehenden Auftritte wahrnehmen? "Wenn Sie das gerne wollen, dann machen Sie das."

Am Dienstag sprühte ich plötzlich (?) so vor Energie wie seit Monaten nicht und hatte ein solches Bedürfnis, die ganze Wohnung gründlich zu putzen, wozu ich seit Wochen keine Kraft mehr hatte. Generell ging es mir die letzten Monate seit der Diagnose sehr schlecht, auch wenn ich mir dessen nicht immer bewusst war.

Ich durfte nun zwar offiziell, aber ich traute mich die ganze Woche nicht, zu singen. Am Freitag hatte ich jedoch eine Probe. Ich hatte seit Januar nicht gesungen und ich wollte nicht unvorbereitet erscheinen. Am Donnerstag, nach meinem Bauchtanz-Kurs, hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt unbedingt singen muss. (Es ist erstaunlich, wie viel das Tanzen für das Singen bringt. Und gleichzeitig so naheliegend. Danach spüre ich meinen Körper, wie ich ihn sonst nicht spüre. Und unser Körper ist nun einmal der Corpus für das Instrument Stimme.) Und so sang ich. Und sang. Und sang.

Auch am Freitag bei der Probe. Ich bin zwar mächtig aus der Übung, doch ich werde nicht mehr heiser. Ich habe meine Stimme wieder gefunden.

Heute hatte ich die zweite Sitzung Logopädie. Wir machten Übungen, wir sangen, wir unterhielten uns. Fast ausschließlich Lob. Aber was war und ist denn dann los? Beim Singen ist alles in Ordnung, spricht sie. Aber beim Reden. Ich klinge leise und unsicher. Ich halte die Stimme zurück. Beim Singen ist sie stark. Ich habe mir wohl in den letzten Monaten eine "Schon"stimme angewöhnt, weil ich wusste, dass etwas nicht stimmt, die allerdings alles andere als schonend war. Aber so ganz neu klang das Problem nicht. Habe ich mich früher nicht auch beim Sprechen oft zurückgehalten und klein gemacht? Nicht nur beim Sprechen...

Ich mache meine Übungen und sehe die Logopädie als Chance. Eine Chance, nicht nur im Bezug auf die Sprache. Meine Stimme ist das Abbild meiner Seele. Sie muss sich nicht klein machen. Sie darf frei sein. Sie darf stark sein. Und sie ist gut so - genau so wie sie ist.