Dienstag, 25. März 2014

Lob?

Mein Kind wurde beim Kinderarzt für seine Ausdauer gelobt. Im Kreischen...

Sonntag, 16. März 2014

Mutter werden

Ich hatte 9 Monate Schwangerschaft, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, Mutter zu werden. Ich hatte 28 Stunden Wehen, als Übergangsphase in ein neues Leben. Und doch war ich alles andere als vorbereitet.

Durch die Narkose war ich nach der Geburt regelrecht benebelt und emotionslos. Ich habe lange gebraucht, um wirklich zu verstehen, dass mein Kind nun geboren ist, dass ich nun tatsächlich Mutter bin.

Mein Mann war ganz vernarrt in seine Tochter und hat sich sofort liebevoll um sie gekümmert. So intensiv, dass ich mich teilweise nutzlos gefühlt habe. Nur fürs Stillen war ich gut - zumindest fühlte ich mich so. Ich schaffte es gar nicht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Wenn sie schrie, gab ich sie ihrem Papa, weil der sie im Gegensatz zu mir zu beruhigen wissen schien. Ich hatte regelrecht Angst, mit meiner Tochter allein zu sein. Ich war mir so unsicher und war immer noch mit mir und dem Durchgemachten beschäftigt.

Die Situation wurde durch familiäre Unstimmigkeiten noch verschärft. Und schließlich kamen noch Stillprobleme hinzu, die mich vollkommen aus dem Gleichgewicht warfen. Nicht mal das konnte ich richtig machen...

Aber das war auch der Moment, in dem ich endlich einen Zugang fand. Ich machte mir dermaßen Sorgen um das Wesen, das ich so lange unter meinem Herzen getragen hatte, dass alle Barrieren einbrachen. Meine Tochter schrie und ich heulte mit ihr, drückte sie an mich und wollte sie nicht mehr hergeben. Langsam, aber sicher näherten wir uns an. Und mein Mann half mir, sie zu beruhigen, und ermutigte mich, dass ich das auch kann.

Die erste Zeit war eine Gefühlsachterbahn, voller Hindernisse und Zweifel. Doch inzwischen bin ich endlich angekommen im Muttersein. Und glücklich.

Die Kunst des Stillens

In der Schwangerschaft frug ich mich die ganze Zeit, warum alle immer so einen Wirbel ums Stillen machten. Ich stellte mir das ganz einfach vor: Kind an Brust, alles super. Tja. Das ist dann wohl der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Die ersten Tage lief es eigentlich ganz gut. Doch plötzlich fing die kleine Schildkröte an, beim Trinken zu zicken. Sie fuchtelte wie wild mit ihren Armen, schüttelte direkt vor der Quelle wild den Kopf, und trank einfach nicht. Und wenn sie einmal ein bisschen trank, schlief sie sofort ein und war nicht zum Weitertrinken zu bewegen. Einen kompletten Abend schrie sie vor Hunger.

Sie trank über Tage nicht richtig. Dadurch wurde nicht genug Milch produziert. Dadurch bekam sie noch weniger zu essen. Sie nahm zu viel ab und nicht wieder zu.

Wir puckten. Wir stillten im Liegen, während der Mann das Andocken übernahm und bei Bedarf das Kind in Position hielt. Wir probierten Stillhütchen. Ich pumpte ab - erst mit der Handpumpe, dann mit einer elektrischen. Ich trank viel, auch Stilltee und sogar alkoholfreies Bier, um die Milchproduktion anzuregen. Dennoch mussten wir zufüttern.

Nicht mal das konnte ich richtig machen. Nicht mal mein Kind richtig versorgen.

Stillen wurde zum Stressfaktor. Alle 2 Stunden entweder Abpumpen oder Stillen - auch die Nacht durch. Stillen dauerte mindestens eine Stunde und war nervenaufreibend für alle Beteiligten.

Durch das Zufüttern mit der Flasche verstand sie aber plötzlich, dass man beim Trinken saugen muss! Und dann klappte es langsam auch an der Brust.

In der Zwischenzeit hatte sie wieder bis zu ihrem Geburtsgewicht zugenommen. Seit Freitag muss ich nicht mehr abpumpen und auch das Zufüttern konnten wir schon reduzieren. Durch die Umstellung hatte sie gestern allerdings wieder abgenommen, wobei sie das meiste davon heute schon wieder drauf hatte. Stillen dauert nicht mehr ganz so lange und klappt immer besser. Sie schläft auch nicht mehr so oft ein dabei.

Dennoch mache ich mir Gedanken, dass ich nicht genug Milch habe, dass etwas mit mir nicht stimmt. Mir setzt es schon zu, dass wir Pulvermilch füttern müssen. Ich hoffe sehr, dass es weiterhin bergauf gehen wird und ich bald wirklich voll stillen kann.

Sonntag, 2. März 2014

Eine schwere Geburt

In den letzten Wochen vor der Geburt hatte ich regelmäßig Panik und habe gebetet, dass sich das Kind noch Zeit lassen würde, weil ich mich alles andere als bereit gefühlt habe. Am 26.02. habe ich mir dann gedacht "In 2 Tagen ist Entbindungstermin. Ich werde mich nicht bereiter fühlen. Also kann sich Krümel so langsam auf den Weg machen."

In eben dieser Nacht bin ich aufgewacht, weil ich zur Toilette musste. Als ich aufgestanden bin, ist mir etwas die Beine runtergelaufen. Bei genauerer Betrachtung war es eine rosafarbene Flüssigkeit wie sehr helles, verdünntes Blut. Da es bei dem Bisschen blieb, bin ich aber davon ausgegangen, dass es eine beginnende Zeichnungsblutung ist. Kurze Zeit später setzten die ersten Wehen ein, die sich wie leichte Regelschmerzen anfühlten, aber in 7-12 Minuten Abständen kamen und gingen. Ich war so unruhig, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Mein Mann blieb dann auch von der Arbeit zu Hause. Morgens rief ich gleich bei der Hebamme an. Wir hatten an dem Morgen sowieso einen Vorsorgetermin, sodass wir es erst mal dabei belassen wollten. Die Wehen wurden minimal stärker und kamen etwas öfter, aber immer noch unregelmäßig.

Um 10:30 waren wir also im Geburtshaus zur Vorsorge. Die Hebamme stellte fest, dass der Gebärmutterhals komplett verstrichen, der Muttermund allerdings noch zu war. Das ph Papier verfärbte sich nicht, sodass sie davon ausging, dass es kein Blasensprung war. Ganz sicher war sie sich allerdings nicht und so blieben wir erst einmal eine Weile dort, während sie Hausbesuche machte, um zu schauen, wie sich die Situation entwickelt. Als sie mittags zurück kam, untersuchte sie mich noch einmal, schrieb noch einmal CTG, aber es hatte sich nichts verändert. Sie wollte uns schon nach Hause schicken, machte aber dann doch noch einmal einen ph-Test und der war plötzlich positiv. Deshalb sollte eine Ärztin aus der angrenzenden Klinik noch einmal drauf schauen und einen anderen, zuverlässigeren Test durchführen.

Gegen 16:30 Uhr empfing uns eine nette Assistenzärztin und untersuchte mich erneut. Der Muttermund war inzwischen fingerkuppendurchlässig, der ph-Test war jedoch auch leider positiv. Ich hatte also in der Nacht einen Blasensprung. Die Hebamme vermutete, dass die Blase weit oben gerissen sei. "Das ist die gemeinste Form des Blasensprungs." Normalerweise bewirkt das Fruchtwasser nämlich, dass Hormone ausgeschüttet werden, die die Geburt voran treiben. Da selbige innerhalb von 18 Stunden nach Blasensprung stattgefunden haben sollte, damit es nicht zu einer Infektion kommt, und das in den verbleibenden 4 Stunden recht utopisch war, riet uns die Hebamme dazu, stationär zu gehen, weil die Medikamentenversorgung (Antibiose) in der Klinik gesichert war. Wir willigten schweren Herzens ein. Es wurde noch ein CTG geschrieben und ich wurde mit homöopathischen Mitteln zur Wehenförderung auf das kurz zuvor bezogene Zimmer geschickt.

Den Abend verbrachten wir ruhig auf dem Zimmer. Die Wehen wurden langsam stärker, aber waren noch sehr gut auszuhalten. Irgendwann musste ich anfangen, sie zu veratmen, aber auch das war zunächst kein Problem. Um 20:30 bekam ich das Antibiotikum, vorm Schlafengehen wurde noch ein CTG gemacht. Nun waren darauf auch die Wehen zu erkennen. Wir sollten wieder in den Kreißsaalbereich kommen, wenn sich etwas an dem Zustand veränderte. Da wir beide in der Nacht vorher nicht viel geschlafen hatten, kuschelten wir uns in das Krankenhausbett und hörten Musik. Zwischen den Wehen konnte ich eine Weile immer wieder wegdämmern, wenn es auch kein sonderlich erholsamer Schlaf war.

Wir hatten meinen mp3-Player dabei, den ich zuvor mit Chants und Ähnlichem bestückt hatte. Lautsprecher hatten wir auch dabei. Die sich immer wiederholenden Chants halfen mir sehr, mich zu entspannen und mit den Wehen zurecht zu kommen. V.a. "The river is flowing" sang ich immer und immer wieder im Geiste mit und stellte mir die Wehen als Wasser vor.

Gegen 0:30 waren die Wehen so stark, dass sie nur noch schwer zu veratmen waren, und kamen regelmäßig alle 3 Minuten. Ich wollte während der Wehen nicht mehr am Bauch angefasst werden. Höflich bleiben wurde zunehmend unmöglicher und ich entschuldigte mich bei meinem Mann im Voraus dafür, dass ich seine Hand wegschieben oder gar -schlagen würde. Er war aber absolut verständnisvoll.

Wir gingen dann also in den Kreißsaalbereich. Auf dem Weg dorthin war es noch einmal schlimmer geworden. Sowieso schien es nun recht plötzlich voranzuschreiten. Im Nachhinein vermute ich, dass mir zu viele Globuli gegeben wurden oder ich zu gut auf das Mittel reagierte. Auf dem erneuten CTG waren die Wehen schon sehr deutlich zu erkennen. Der Muttermund war jedoch immer noch nicht auf. Wir sollten im Kreißsaal bleiben. Ich bekam ein homoöpathisches Zäpfchen gegen die Schmerzen. Vorher wollte ich noch auf Toilette, weil ich so sehr musste. Das war ein Kampf. In der kleinen Toilette war es so eng und stickig, mir war so schlecht, mir tat alles weh und in keiner Position waren die Wehen mehr zu ertragen. Letztlich konnte ich mich aber doch noch erleichtern und das Zäpfchen landete auch am richtigen Fleck.

Im Kreißsaal selbst setzte ich mich auf den Sitzball direkt vors offene Fenster, was kurzzeitig Besserung brachte. Leider nur kurzzeitig. Mir war so heiß und schlecht und die Wehen steigerten sich weiter. Ich fing an, sie zu vertönen. Ich zog mich bis auf den BH aus und legte mich aufs Bett, während mein Mann noch ein paar Sachen aus dem Zimmer holte - wir hatten ja nicht damit gerechnet, gleich da zu bleiben. Er brachte auch die Musik mit, die mich nach wie vor durch ihre Vertrautheit und ihre Wiederholungen beruhigen konnte. Die Wehen wurden weiterhin stärker, veratmen tat nur noch mehr weh, vertönen war auch fast nicht mehr möglich. Badewanne war durch meinen angeschlagenen Kreislauf zu riskant. Ich konnte nur noch da liegen und mich vor Schmerz winden und gleichzeitig konnte ich vor Erschöpfung die Augen kaum offen halten. Zu dem Zeitpunkt lag ich etwa 23 Stunden in Wehen und hatte kaum geschlafen. Nachdem ich mich übergeben hatte, war mir zumindest nicht mehr schlecht. Den Kommentar der Hebamme, dass das sehr gut sei, weil das bedeute, dass es in die richtige Richtung gehe, konnte ich irgendwie nicht so recht würdigen...

Erneut wurde ein CTG geschrieben und ich wurde untersucht. Inzwischen war der äußere Muttermund komplett auf, der innere weiterhin zu und es war kein Ende in Sicht. Durch die Schmerzen verkrampfte ich mich weiterhin, sodass sich da auch nichts öffnen konnte. Die Hebamme bot mir zwei Möglichkeiten der Schmerzlinderung an: eine Spritze, um die Wehenspitze zu nehmen oder eine PDA. Ursprünglich wollte ich es ohne solche Medikamente schaffen, aber ich konnte in dem Moment einfach nicht mehr. Ich habe mich so gehasst für meine Schwäche. In dem Moment war mir aber alles egal. Ich hab mir sogar einen Kaiserschnitt gewünscht. Ich wollte nur noch, dass es aufhört. Ich wollte nur noch schlafen. Ich hatte keine Kraft mehr für Entscheidungen; wir hatten uns im Vorfeld nie über ein solches Szenario Gedanken gemacht. Noch weniger Kraft hatte ich für für Experimente. So stimmten wir der PDA zu, damit ich Ruhe finden und Kraft für den Endspurt sammeln konnte. Die Hebamme rief den Anästhesisten, mein Mann musste Formulare ausfüllen. Als der Anästhesist da war, sollte ich mich hinsetzen mit rundem Rücken. Er klärte mich darüber auf, dass ich mich nicht ohne Absprache bewegen dürfe, weil es im schlimmsten Fall zu einer Lähmung kommen könne. Ich hatte zu dem Zeitpunkt nur noch wenige Sekunden zwischen den Wehen, die unvorstellbarerweise immer noch stärker wurden. Die Zeit, die er für das Anlegen der PDA gebraucht hat, war wohl tatsächlich die schlimmste.

Als die Narkose wirkte, fühlte ich mich tatsächlich sehr erleichtert und schlief fast direkt ein. Damit die Wehen nicht aufhörten und ich sie weiterhin spüren konnte, gaben sie mir einen Wehentropf. Alles, was ich nun von den Wehen spürte, war ein Druckgefühl. Es wurde Dauer-CTG geschrieben, aber dem Baby ging es blendend. Ich weiß nicht, wie lang mein Mann und ich so aneinander gekuschelt da lagen; ich war in einem Schwebezustand. Der Druck, den ich spürte, wurde stärker und auch diesen musste ich irgendwann veratmen, aber ich war so benebelt, dass ich nicht daran dachte, die Hebamme zu rufen. Auch nicht, als ich das Gefühl hatte, mitdrücken zu müssen. Sie war immer mal wieder nachschauen gekommen und hatte angekündigt, mich gleich noch einmal zu untersuchen.

Bei der Untersuchung meinte sie dann nur "oh". Oh? "Ich kann den Kopf schon sehen." Und dann: "Wollen wir das Baby dann mal rauslassen?" Ich war so perplex und eigentlich wollte ich auch gar nicht aus meinem Dämmerzustand raus, doch ein Teil von mir konnte weiterhin klar denken. Eine zweite Hebamme wurde hinzu gerufen. Ich spürte inzwischen Dauerdruck und konnte durch die PDA nicht einschätzen, wann eine Wehe kam. Gemeinsam fanden wir die Wehen heraus und die Hebammen zeigten mir, wohin ich pressen sollte. Der Kopf rutschte immer wieder zurück und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis er geboren war. Ich war vollkommen auf meine Aufgabe konzentriert, aber ohne jegliche Emotion. Ich merkte in den Press-Pausen richtig, wie das Kind den Kopf im Geburtskanal drehte. Das war ein verrücktes Gefühl. Irgendwann sollte ich nicht mehr pressen und dann war der Kopf da. Nach 1 oder 2 weiteren Schüben flutschte der ganze Körper aus mir heraus. 05:57 Uhr. Dann hörte ich die Hebammen sagen: "Was haben wir denn da? Einen kleinen Jungen? Nein, ein kleines Mädchen!" Und mir wurde ein Bündel auf die Brust gelegt. 

Ich konnte das gar nicht realisieren und war mit der Situation vollkommen überfordert. Es dauerte, bis ich begriff, was da eigentlich auf meiner Brust lag. Dann hielt ich das kleine Wunder fest und war schon wieder kurz vorm Wegdämmern. Der Papa kuschelte noch ein wenig mit uns, bevor er die Nabelschnur durchschnitt und Papa und Tochter zur Untersuchung gingen. Die andere Hebamme half mir, die Plazenta zu gebären, was erst nach Einsatz eines Blasenkatheters klappte. Danach wurde ich noch genäht und verpackt.

Zwei Stunden mussten wir noch im Kreißsaal bleiben. Ich bekam eine Infusion und schlief immer wieder ein. Mein Mann hatte aber sowieso nur noch Augen für seine Tochter und die beiden kuschelten schön, teilweise auch bei mir am Bett. Relativ bald legte mir die Hebamme die Kleine auch an der Brust an, was sofort klappte. Nach einer Weile wurde mir der Zugang für die PDA entfernt und kurz vor 8 wurden wir auf Station gebracht. Auf dem Zimmer begriff ich dann auch so langsam, dass ich jetzt Mama war und konnte mich endlich richtig freuen.

6 Stunden nach der Geburt durften wir nach Hause. Das haben wir auch gemacht und es kein bisschen bereut. Unsere Hebamme kommt erst einmal jeden Tag und sieht nach uns. Meine Schwiegereltern greifen uns ganz toll unter die Arme und bekochen uns im Moment, damit wir uns ganz um die kleine Maus kümmern können. Uns war in den paar Stunden im Krankenhaus schon langweilig und wir hätten wirklich nicht gewusst, was wir 2-3 Tage dort hätten machen sollen. Wir waren ja alle wohl auf.

Ich habe einige Verletzungen davon getragen. Außerdem habe ich Rückenschmerzen (wahrscheinlich auch durch die Schwellung durch die PDA) und weiterhin Regelschmerzen in Schüben. Gestern begannen die Emotionen, sich ihre Bahn zu brechen.

Die Geburt unserer Tochter verlief zwar deutlich anders als gehofft und ich war und bin durchaus auch etwas traumatisiert, aber letztendlich zählt nur, dass wir alle gesund und munter sind. Ein bisschen trauere ich dem Geburtshaus hinterher, doch anders als in den Stunden der heftigsten Wehen, bin ich mir recht sicher, dass wir noch einmal eine Chance bekommen werden, ein Kind unter freudigeren Bedingungen zur Welt zu bringen.