Das Eulenkind brauchte dringend eine Puppe. Bei Bekannten hatte ich das erste Mal Waldorf-Puppen wahrgenommen; die Mama der Kinder hatte sie selbst gemacht. Das wollte ich auch und so informierte ich mich gründlich und orderte Materialien. Das war bereits im August.
Im September stürzte ich mich in dieses Abenteuer und stellte fest, dass das gar nicht so einfach ist. Mit meinem ersten Puppenkopf war ich gar nicht zufrieden. Ich deklarierte ihn dann als Testkopf, auch wenn das Kind schon ganz verliebt den Kopf durch die Gegend schleppte.
Ich muss sagen, dass ich etwas (sehr) gefrustet war. Ich hatte dann noch mal einen Kopf gemacht, mit dem war ich aber auch nicht so zufrieden und das Leben bescherte mir so einige Überraschungen und Stolpersteine im Herbst, sodass ich einige Monate nicht mehr zum Puppenbasteln kam.
Doch die Puppe sollte DAS Weihnachtsgeschenk werden. 8 Tage vor Weihnachten gab mir der Zeitdruck ausreichend Motivation, es noch einmal zu wagen. Der dritte Kopf ist nicht perfekt geworden, aber ich habe einige Dinge, die mich an Nr. 1 störten, verbessern können. Der Halsansatz schlägt zwar leider immer noch Falten, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und auf jeden Fall zufriedener als mit den vorangegangenen Versuchen. Der Kopf ist runder geworden und die Augen habe ich größer gemacht als bei klassischen Waldorf-Puppen.
In meiner Naivität dachte ich, dass das Schlimmste vorbei sei, wenn ich erst mal den Kopf fertig habe. Weit gefehlt. Den Körper zu nähen und zu stopfen, waren wirklich einfache Schritte. Ich hatte mich für Rohwolle als Stopfmaterial entschieden und freue mich, dass die Puppe immer noch leicht nach Schaf riecht. :) Allerdings würde ich den Puppentrikot nicht noch mal bei Butinette kaufen; der hat keine gute Qualität.
Da der Kopf etwas größer geworden war als der zum Schnittmuster für den Körper gehörige, verlängerte ich den Körper etwas. Das sah zwar optisch mit den ungestopften Teilen besser aus, aber inzwischen bereue ich es etwas. Inzwischen finde ich den Körper zu lang. Aber auch damit kann ich leben.
Das Zusammennähen war noch einmal trickreich und ich war wirklich nur noch am Fluchen. Aber auch das war irgendwann geschafft und die Puppe sah so aus:
Die Puppe war also grob fertig - aber nackt. Sie brauchte dringend Kleidung. Da das Eulenkind derzeit so viel Spaß daran hat, ihre Kuscheltiere zu wickeln, brauchte die Puppe unbedingt Windeln! Ich entschied mich für Stoffwindeln und fand auch ein Schnittmuster dafür, das ich etwas abwandeln musste. Außen ist bunter Baumwollstoff und innen Fleece. Mit Hilfe eines Klettverschlusses kann die Windel leicht gewechselt werden.
Auch ein Body musste her - das Eulenkind trägt ja schließlich auch Bodys. Der auf dem nächsten Bild ist ebenfalls mit Klettverschluss versehen, doch leider etwas zu klein geraten. Das war mein erster Versuch mit Bündchenware überhaupt. Das Schnittmuster ist übrigens von Schnabelina.
Mehr Windeln zum Wechseln durften natürlich auch nicht fehlen.
Ein Schnittmuster für die Hose zu finden, war gar nicht so einfach, aber letzten Endes wurde ich doch fündig, auch wenn ich es wieder an die Maße dieser Puppe anpassen musste.
Es folgte ein passender Body. Den habe ich zwei Mal genäht. Ich wollte alles perfekt machen und die Overlock-Maschine, die ich kürzlich erbte, endlich mal richtig nutzen, schnitt mir den fast fertigen Body beim vorletzen Schritt jedoch kaputt. Seitdem steht die Overlock in der Ecke. Ich habe mich nicht wieder dran getraut. Aber es funktioniert ja glücklicherweise auch so.
Nun war die Puppe vollständig bekleidet, aber es fehlte ja noch was ganz Wichtiges: die Haare! Ich hatte extra Mohair-Wolle besorgt. Als Grundlage für die Haare benötigt man eine gehäkelte Mütze, die ganz eng am Kopf anliegt und somit genau an den jeweiligen Puppenkopf angepasst werden muss. Da ich zwar häkeln kann, aber nicht wirklich gut darin bin, hat meine Mutter diesen Schritt für mich übernommen, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Mit kurzen Wuschelhaaren sah die Puppe dann so aus:
Die Perücke nähte ich gründlich an den Kopf an und knüpfte schließlich noch lange Strähnen hinein. Mit wilder Mähne wirkte das Puppenkind wieder anders.
Da ich allerdings eine Räubertochter habe, konnte ich die Haare nicht offen lassen. So wurde die Mähne durch Flechten gebändigt.
Zu guter Letzt fehlte noch ein Pulli, den ich nach dem Body-Schnittmuster nähte. 2 Tage vor Weihnachten sah sie dann also so aus:
Das Eulenkind hat ganz schön Augen gemacht, als sie die Puppe auspackte, und hat erst mal einige Minuten gekuschelt. Da hatte ich auch ein paar Tränchen in den Augen. Die ganze Mühe hat sich also gelohnt.
Seitdem wird die Puppe fleißig bespielt. Die kleinen Fehler stören sie gar nicht. Meistens liegt die Puppe ohne Hose da, weil die Windel ungefähr immer "nass" oder "voll" ist. Und die Windel alleine zu wechseln bekommt sie noch nicht so gut hin. Aber "Puppi" wird sehr geliebt und muss sogar meistens mit ins Bett. Das Eulenkind erzählt und singt mit ihr. Auch das Puppentragetuch und der Puppenwagen, die wir schon einige Monate haben, kommen nun viel, viel häufiger zum Einsatz.
Vor ein paar Tagen hat sich das Eulenkind dann auch noch einen "Schlaba" (Schlafanzug) für die Puppe gewünscht. Und natürlich ist mir ihr Wunsch Befehl.
Ende Februar hat das Eulenkind Geburtstag. Ich möchte ihr und Puppi passende Kleidchen nähen. Mal schauen, ob die Zeit und meine Geduld das zulassen. ;D Aber ich bin optimistisch.













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