Sonntag, 16. März 2014

Die Kunst des Stillens

In der Schwangerschaft frug ich mich die ganze Zeit, warum alle immer so einen Wirbel ums Stillen machten. Ich stellte mir das ganz einfach vor: Kind an Brust, alles super. Tja. Das ist dann wohl der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Die ersten Tage lief es eigentlich ganz gut. Doch plötzlich fing die kleine Schildkröte an, beim Trinken zu zicken. Sie fuchtelte wie wild mit ihren Armen, schüttelte direkt vor der Quelle wild den Kopf, und trank einfach nicht. Und wenn sie einmal ein bisschen trank, schlief sie sofort ein und war nicht zum Weitertrinken zu bewegen. Einen kompletten Abend schrie sie vor Hunger.

Sie trank über Tage nicht richtig. Dadurch wurde nicht genug Milch produziert. Dadurch bekam sie noch weniger zu essen. Sie nahm zu viel ab und nicht wieder zu.

Wir puckten. Wir stillten im Liegen, während der Mann das Andocken übernahm und bei Bedarf das Kind in Position hielt. Wir probierten Stillhütchen. Ich pumpte ab - erst mit der Handpumpe, dann mit einer elektrischen. Ich trank viel, auch Stilltee und sogar alkoholfreies Bier, um die Milchproduktion anzuregen. Dennoch mussten wir zufüttern.

Nicht mal das konnte ich richtig machen. Nicht mal mein Kind richtig versorgen.

Stillen wurde zum Stressfaktor. Alle 2 Stunden entweder Abpumpen oder Stillen - auch die Nacht durch. Stillen dauerte mindestens eine Stunde und war nervenaufreibend für alle Beteiligten.

Durch das Zufüttern mit der Flasche verstand sie aber plötzlich, dass man beim Trinken saugen muss! Und dann klappte es langsam auch an der Brust.

In der Zwischenzeit hatte sie wieder bis zu ihrem Geburtsgewicht zugenommen. Seit Freitag muss ich nicht mehr abpumpen und auch das Zufüttern konnten wir schon reduzieren. Durch die Umstellung hatte sie gestern allerdings wieder abgenommen, wobei sie das meiste davon heute schon wieder drauf hatte. Stillen dauert nicht mehr ganz so lange und klappt immer besser. Sie schläft auch nicht mehr so oft ein dabei.

Dennoch mache ich mir Gedanken, dass ich nicht genug Milch habe, dass etwas mit mir nicht stimmt. Mir setzt es schon zu, dass wir Pulvermilch füttern müssen. Ich hoffe sehr, dass es weiterhin bergauf gehen wird und ich bald wirklich voll stillen kann.

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